wie man schreibt

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Wie man schreibt

 

 

Schreiben bedeutet, die eigene Kreativität mit dem eigenen Intellekt zu steuern und dabei die Leser, die Rechercheergebnisse, die Dramaturgie sowie die Erfordernisse der Sprache und des Genres im Kopf zu haben.

 

Dafür kenne ich im wesentlichen zwei Systeme: Bottom-Up und Top-Down.

 

Bottom-Up: Das System der "Plotter"

Du erschaffst, erfindest und definierst zuerst eine ganze Welt, ihre physikalischen Gesetzte und ihre Land-/Wassermassen, ihre Lebewesen und Ressourcen, Pflanzen, Tiere, Menschen, Wirtschaftssysteme, Politik, Kulturen und Subkulturen, einzelne Gruppen und einzelne Charaktere. Nach der Arbeit können die Charakter die Welt betreten und sie mit Leben erfüllen, indem sie ihren ausgearbeiteten Motivationen folgen. Man hat eine Struktur, 'Linien', auf denen man schreibt und die definitiv zu einer sinnollen Auflösung führen.

 

Wenn deine Geschichte in der 'realen Welt' spielt, kannst du dir natürlich viele dieser Schritte sparen, trotzdem spricht viel für ein gutes Gerüst bevor du startest.

Schöne Erklärung zur 'Schneeflöckchenmethode': vomschreibenleben.de/schneefloeckchenmethode

das hilft auch ungemein beim Exposè ;-)

Oder dieses Viedeo (achtung, lang!): youtube.com/watch?v=Q5p3qTxJEfw

 

 

Top-Down: Das System der "Discovery-Writer"

Es gibt noch keine Welt. Die Idee ist einfach, dass dein Buch damit beginnen soll, dass ein Magier einen Geist beschwört. Also gibt es schon einmal Magie und Geister. Was für Magie, was für Geister, wie sich das auf die Welt und seine Bewohner auswirkt, spielt für diesen ersten Satz noch keine Rolle. Einfach mal sehen, was der zweite Satz bringt. So entsteht die Welt mit jedem Satz ein Stückchen mehr.

Das bedeutet Freiheit für den Erkundungsdrang. Man kann sich beim Schreiben wie ein Abenteurer fühlen.

 

Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Es macht Spaß, beides auszuprobieren, wenn man die Zeit und Muße hat. Richtig oder falsch gibt es nicht, bzw. richtig ist, womit man gut arbeiten kann.

Ich selbst brauche auf jeden Fall ein Storyboard, damit der Roman dicht bleibt und es keine leeren Kapitel gibt, in denen die Charaktere 'bloß' leben.

 

 

Das 7-Punkte-System von Dan Wells ist eine gute Mischung

Bevor du anfängst, deine Geschichte zu modelieren, empfiehlt Wells dir schon ein paar Dinge gewiss zu sein. Was ist die Kernaussage, die du vermitteln möchtest? Der Grund, weshalb du gerade diese Geschichte unbedingt schreiben willst. Was ist dein Hauptkonflikt? Wenn du die Antwort klar vor Augen hast, entwickelst du sieben grobe Schlüsselszenen.

 

 

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Cliffhanger:

a) am Ende eines Kapitels ist etwas großartiges, es führt dazu, dass ich das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen kann - vorausgesetzt natürlich, dass es gut gemacht wird und nicht am Ende jeden Kapitels eine erzwungene Schockszene kommt. Aber wenn das nächste Kapitel aus einer anderen Perspektive erzählt wird, ist es quasi essenziell.

b) am Ende eines Buchs (um die Verkäufe des Nachfolgebands anzukurbeln) sind böse. Auch wenn ich bei Buchreihen inzwischen gelernt habe, damit zu leben...

Wenn aber ein ganz normales Buch endet mit "und der Zug raste auf ihn zu.", dann kaufe ich von dem Autor nix mehr! Pfui!

Es gehört zur Bergsteigerehre, niemanden an einer Klippe hängen zu lassen ;-) ein gutes "offenes Ende" zeigt dagegen Können:

 

Offenes Ende:

Bei Inception fand ich es z.B. in Ordnung. Denn wenn es für Leo selbst egal ist, in welcher Realitätsebene er sich befindet (und das für den Charakter schlüssig ist), dann kann sich auch der Rezipient darauf einlassen.

Also wenn der Charakter sich entscheidet, etwas zu tun - unabhängig davon, wie die Chancen auf ein glückliches Ende stehen; wenn er alle Szenarien gedanklich schon durchgegangen ist - dann muss ich den tatsächlichen Ausgang vllt. nicht kennen.

"Nach einem Streit war er lange fort - nun kehrt er zurück, um eine überfällige Entschuldigung zu versuchen. Entweder wird er mit den Hausbewohnern für immer glücklich, oder er muss weiterziehen zu neuen Abenteuern. Egal, das Buch endet vor der Haustüre."

Eventuell weiß der Leser auch, dass der Prota sich etwas vormacht und nie lange dem Abenteuer fernbleiben wird - auch wenn das emotional selbstzerstörerisch ist.

 

 

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Der ausgefallene Plot:

Jorge Luis Borges hat gesagt, es gibt nur vier Geschichten: eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, eine Liebesgeschichte zwischen drei Menschen, das Streben nach Macht und die Reise. Wir Schriftsteller wiederholen und variieren diese Geschichten unendlich.

Wenn sie eine Geschichte finden, die garantiert noch nicht erzählt wurde - dann hat das vielleicht seinen Grund.

 

 

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Warum ein Lektor:

Bei einer professionellen Veröffentlichung gehört nun mal das Drumherum dazu (Lektorat, qualitatives Cover, vernünftiger Satz etc.). Klar kannst du es auch so im Alleingang machen, aber die Qualität wird darunter leiden. Ich kann auch zu Hause einen Song aufnehmen, ihn mit meinen bescheidenen Fähigkeiten in diesem Bereich schneiden, mixen und mastern und auf Youtube stellen. Aber es wäre mir peinlich, auf dieser Basis ein Album herauszubringen und zu verkaufen. Da ist Studioqualität einfach ein Muss.

 

Ordentliche Arbeit gibt's nicht vom Fließband. Auch Lektoren sind keine Übermenschen. Korrektur und Lektorat in Einem ist möglich, aber das fertige Manuskript muss am Ende nochmal ein 'pures Abschlusskorrektorat' bekommen. Ein gutes Buch braucht Zeit und Besessene! ;-)

 

Der Verband freier Lektorinnen und Lektoren (vfll.de) schreibt dazu:

"Eine Normseite umfasst maximal 30 Zeilen à 60 Anschläge, was – je nach Textgattung – etwa 1500 bis 1650 Zeichen inklusive Leerzeichen entspricht. Für die Berechnung von Projektpreisen aus Seitenhonoraren ist natürlich entscheidend, wie viele Seiten der Lektor pro Stunde bearbeiten kann, und zwar über einen längeren Zeitraum, nicht nur kurzfristig „im Akkord“. Eine Bearbeitung von mehr als zehn Normseiten pro Stunde ist erfahrungsgemäß kaum möglich, zumindest nicht in professioneller Qualität. Bei anspruchsvollen Aufgaben können es auch mal nur zwei Seiten sein."

 

"Spar-Lektorat":

Sowas gibt es - dabei LESE ich den Text und werfe die schiefen Bilder und 0815-Vergleiche raus, ich feile nicht an jedem dubiosen Wort, ich schaffe 10 Seiten die Stunde statt 5. Währenddessen mache ich mir Notizen: Der Hund heißt auf Seite 123 „Fiffi“ und auf Seite 249 „Hektor“. Die Spannungskurve tendiert ab Kapitel 8 bedenklich gegen Null – ändern! Statt „Ich komme mit keinen Ambitionen“ schreiben wir „Ich komme ohne Ambitionen.“ Der Ich-Erzähler bleibt bis zum Ende holzschnittartig, vage und austauschbar, ein paar Einblicke in seine Seele wären hilfreich, aber bitte nicht übertreiben. Die Dialoge sind hölzern und die Vergleiche zu gewollt. Und so weiter. Diese Liste schicke ich dem Autor – und das wars auch schon. Ich habe auf die gröbsten Schwächen hingewiesen und Hinweise gegeben, wie man den Text verbessern kann. Das wäre in etwa das, was man ein „Erstlektorat“ nennen könnte.

 

Preislich könnte man so etwas für 40 – 50 % des „Normallektorats“ anbieten.

Es ist ein Kompromiss.

 

 

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Wann ist mein Buch "fertig"?

Die Ungeduld steht vielen Schreibern im Weg! Lasse deinen Romane nach dem Schreiben und Überarbeiten mehrere Monate "abhängen", rühre ihn nicht an, arbeite an etwas anderem - und lese ihn dann später "mit völlig fremden Augen". Erst nach weiteren Überarbeitungen gibst du das Manuskript ins Lektorat und nach der allerletzten Überarbeitung wird es nochmals Korrektur gelesen.

Es ist ein langer Prozess, und am Ende könnte immer noch etwas besser, fehlerfreier sein. Aber damit muss man leben.